Hans Dülfer

 

Einer der besten Felskletterer in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, „eine Klasse für sich“ (Nieberl). Er war wegweisend auf dem Gebiet moderner Felstechnik und Begründer eines vollendeten Stiles.

 

Johannes Emil „Hans“ Dülfer wurde am 23. Mai 1892 in Barmen geboren. Er siedelte 1911 von Dortmund nach München um und begann Medizin zu studieren. Auf dem Stripsenjochhaus im Wilden Kaiser lernte er seine spätere Lebensgefährtin Hanne Franz kennen, eine Musikstudentin. Vielleicht war sie es, die Dülfer dazu bewegte, eine musikalische Ausbildung zum Pianisten zu beginnen. Er wollte eine Eroica der Felswelt – seine Kaiser Symphonie – komponieren. Dazu ist Dülfer nicht mehr gekommen. Doch er hinterließ viele Kunstwerke im Fels, die heute noch von Hunderten Kletterern interpretiert werden.

 

Dülfer war Mitglied der Alpenvereinssektion Bayerland geworden und die Nähe der Alpen verlockte ihn innerhalb von nur vier Jahren zu 50 Erstbegehungen, vor allem im Kaisergebirge und in den Dolomiten. Eine kleine Auswahl seiner bedeutenden Erstbegehungen:

 

· 1911 Dülfer-Kamin am Totenkirchl

 

· 1912 Fleischbank - Ostwand

 

· 1913 Dülfer-Riss der Fleischbank (im Alleingang)

 

· 1913 Totenkirchl - Westwand

 

· 1914 Cisleser Odla - Südwand (seine 50. Erstbegehung)

 

Die Fleischbank-Ostseite, zählt zu den berühmtesten Kletterwänden der nördlichen Kalkalpen. Hier befindet sich seine Route „Fleischbank - Ostwand“, die Alpingeschichte geschrieben hat. Dülfer setzte damals Mauerhaken zur Absicherung der Kletterei ein und entwickelte neue alpine Techniken. Mit Seilhilfe querte er in diesem Weg eine glatte Kalkplatte - dem Dülferquergang.

 

Er entwickelte zum Abseilen den Dülfersitz, denn bis dahin hangelte man sich nach unten. Das war nicht ungefährlich. Beim Dülfersitz wird das Seil um einen Oberschenkel und über die Schulter geführt. Diese Abseilmethode war bis in die 70’iger Jahre üblich. Erst dann setzten sich neue Abseilgeräte durch, bei denen das Seil nicht mehr über den Körper lief, was sehr unangenehm werden konnte.

 

Hans Dülfer ist am 15. Juni 1915 in der Lorettoschlacht gefallen - am dritten Jahrestag seiner Fleischbank-Ostwand Erstbegehung im Wilden Kaiser.

 

Er wollte sich an diesem Abend, zur Erinnerung an seine Erstbegehung, eine Pfeife stopfen. Das schrieb er in seinem letzten Brief an den Vater Emil. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen.

 

Auf dem Soldatenfriedhof Bailleul bei Arras / Frankreich fand Hans Dülfer seine letzte Ruhestätte.

 

Die Dülferstraße wurde nach dem deutschen Bergsteiger Hans Dülfer benannt. In der näheren Umgebung wurden noch weitere Straßen nach Alpinisten und Bergsteiger wie z.B. Paidar, Stüdl und Paul-Preuß benannt.

                                                                  (Vielen Dank Herrn Knut Israel für die Recherche...)